Die Nacht lag wie ein dunkler Schleier über der Stadt, doch im Atelier von Systemfehler brannte noch immer Licht. Der feuchte Gestank von geschmolzenem schwarzem Wachs, verbranntem Harz und Kälte hing schwer in der Luft.
Philipp saß in seinem Rollstuhl vor dem massiven Steinaltar. Seine Augen brannten vor Müdigkeit, doch seine Hände arbeiteten ruhig und präzise. Mit den Greifreifen manövrierte er seinen Stuhl ein Stück näher an die Kante und zog die Feststellbremsen mit einem leisen Klacken an. Vor ihm lagen die Rohlinge der Bestienmasken - kalt, stumm und leblos.
„Wir sind fast fertig, Ryan", flüsterte Philipp und strich mit dem Finger über die raue Oberfläche der weißen Maske. Seine dunkle Kutte hing schwer über den Armlehnen seines Rollstuhls, während sein blauer Irokese im schwachen Kerzenschein aufleuchtete.
Ryan lehnte an der steinernen Wand. Seine schwarze Lederjacke knarrte leise, als er sich aufrichtete. Die blauen Strähnen in seinem Nacken schimmerten im flackernden Licht. In der Hand hielt er eine feine, scharfe Klinge, mit der er die letzten Linien in die schwarze Bestienmaske ritzte.
„Die Schnittspuren sitzen tief", sagte Ryan mit rauer Stimme und trat an den Altar heran. Er legte die Klinge ab und rieb sich die Hände, an denen noch Einkerbungen von den Runen zu sehen waren. „Aber diese Dinger sind keine normalen Motive mehr. Du spürst es doch auch, oder?"
Philipp nickte langsam. Er löste die Bremsen, drehte seinen Rollstuhl um neunzig Grad und griff nach dem abgegriffenen Buch mit den verbotenen Runen.
„Es ist die Energie des Rituals", antwortete Philipp, während er die Seiten aufschlug. „Jedes Zeichen, das du eingeritzt hast, öffnet ein Tor. Die Käufer auf unserer Website ahnen nicht, was sie sich da nach Hause bestellen."
Ryan trat direkt neben Philipps Rollstuhl und blickte hinab auf die Zeichnungen. „Sie denken, sie kaufen nur handgefertigte Kunst. Aber sobald das Blut getrocknet ist und die Masken versendet werden, gibt es kein Zurück mehr für sie."
Ein plötzlicher Windstoß ließ die schwarzen Kerzen auf dem Altar flackern. Schatten tanzten hastig an den Wänden entlang, und für einen kurzen Augenblick schien es, als würde sich die Luft zwischen Philipp und Ryan verdichten. Eine dunkle, schemenhafte Präsenz trat lautlos aus den Wänden hervor, schwebte für Sekundenbruchteile über den Masken und verschmolz mit dem Holz.
Philipp spürte einen eisigen Hauch im Nacken, doch er wandte den Blick nicht ab. Er griff nach dem Pinsel mit dem frischen Siegelwachs.
„Dann lass uns die ersten Stücke fertigmachen", sagte Philipp entschlossen und setzte den ersten Stempel auf das Material. „Das Buch der verdammten Seelen ist geschrieben. Jetzt braucht es seine Träger."
Ryan lächelte düster, hob die schwarze Bestienmaske an und legte sie neben Philipps weiße Kreation. „Auf dass die Finsternis ihren Weg findet."
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